Von 1981 bis 1991 war Horst Unger der Wirt im Beppo

Autor: Horst Unger, Wirt von 1981 - 1991

Autor: Horst Unger, Wirt von 1981 – 1991

Stieg man in der ersten Hälfte der 80er Jahre in Oldenburg irgendwo in ein Taxi und verlangte, zur Gaststätte „bei Beppo“ in der Auguststraße gefahren zu werden, so kam als Reaktion vom Taxifahrer häufig die Bemerkung: „Ach so – zur Stalinallee“!

Es war die Zeit des Kalten Krieges, die Zeit der Berufsverbote ( in Oldenburg hatte die damalige niedersächsische Landesregierung unter Führung von Herrn Albrecht eine Hochburg von Radikalen ausgemacht) und die Zeit, in der die DKP in Oldenburg mit vier gewählten Abgeordneten im Rat der Stadt vertreten war.

Dietrich Kittner, Kabarettist (Aus dem Gästebuch)

Schon Ende der 70er hatte die DKP große Schwierigkeiten, irgendwo irgendwelche Versammlungsräume z.B. in Gaststätten zu bekommen – einer allerdings erlaubte dies in seinen Hallen: der Gastwirt Werner Brehm fand den um die Ecke in der Blumenstraße wohnenden Horst Unger gar nicht so gefährlich und sagte diesem den Nebenraum für Versammlungszwecke seiner Parteigruppe „Stadtmitte“ zu.

So begann die schleichende Umwandlung einer bürgerlichen Kneipe, in der bereits am Nachmittag bei Bier und Korn von den Arbeitern der Bavaria-Brauerei (damals auf dem  Gelände der Alten Fleiwa) gefachsimpelt wurde. Dies geschah im Halbdunkel der Theke, die gegen Außeneinsicht durch mehrere Lagen von Vorhängen gesichert war.

Entgegen dem ausdrücklichen Rat von Werner entfernte Horst sämtliche Gardinen und Jalousien nach seiner „Machtübernahme“ und verordnete der Kneipe unter seiner neuen Leitung „Glasnost“ (Außeneinsicht).

Werner war zwischenzeitlich leider krank geworden und trug sich mit dem Gedanken, die Gaststätte, in der seit der Errichtung des Hauses Auguststraße 57 im Jahre 1881 Bier gezapft wurde, abzugeben. Trotz Intervention des Hotel- und Gaststättenverbandes übergab er Horst Unger im August 1981 seine alte Arbeits- und Wirkungsstätte. „Bei Dir bin ich mir sicher, dass ich mein Geld für das Inventar auch bekomme.“ waren sein Worte.

Chris Jarrett, Pianist (Aus dem Gästebuch)

Horst hatte gerade Zeit für diese neue Herausforderung, da über ihn ein Quasi-Berufsverbot als Lehrer verhängt worden war. Nun war die erste Etappe auf dem Weg zur Umgestaltung der Gesellschaft eingeläutet. Von der Auguststraße aus sollte der Einfluss der bürgerlichen Kräfte in unserem Land eingedämmt werden.

Aber die etablierten Kräfte zogen nicht so richtig mit. Im Gegenteil, sie schlugen sogar zurück. Zum Beispiel waren innerhalb von 2 Tagen die zum Antikriegstag am 1. September liebevoll aus Styropor geschnittenen Picassoschen Friedenstauben, die in der Linde als Mahnung und Erinnerung aufgehängt waren, abgehängt. Unter Polizeischutz bezogen Feuerwehr und Ordnungsamt Stellung und walteten ihres Amtes; offizielle Begründung durch die Stadt Oldenburg: Gefährdung der öffentlichen Verkehrssicherheit – sprich: Ablenkung der Autofahrer durch provozierende Werbebanner! Nun denn…

Die Kneipe boomte, war Treffpunkt aller möglichen Gruppen und Kristallisationsort von Bürgerinitiativen. Der HSV (Haarenesch- und Steinwegviertelverein) gründete sich hier und versuchte der Stadt Oldenburg klarzumachen, dass das PSV – Schwimmbad an der Margaretenstraße ein Stück Lebensqualität bedeutet.

Weitere regelmäßige Treffen hielten hier die DKP ab, der SHB, Motorradclub Kuhle Wampe, Abendgymnasium Oldenburg, Schwulen- und Lesbenverein, W-18 Komitee des KBW, Referendare der BBS, Oldenburger Chor Bundschuh, Volleyballgruppe OTB, Polizei Sportverein, Rechtsanwälte. Richter und Notare trafen sich hier und der eine und andere CDU – Ratsherr ebenfalls, weil hier nach deren Aussagen das beste Bier gezapft würde! Und dann war natürlich die legendäre Beppo-Frikadelle ein Grund, regelmäßig zusammen mit einem Solei oder einem Käsespieß das Dreigänge-Menü „Beppo“ zu ordern. Rezept und Herstellung dieser bundesweit bekannten Frikadellenunterart sollen aber auch weiterhin im Dunkel der Geschichte verbleiben.

So ging es dann bis Ende der 80er Jahre. Künstler und bekannte Persönlichkeiten bereicherten die Kneipenabende – mit eigenem Programm oder auch einfach nur durch ihre Anwesenheit. Stellvertretend seien hier genannt:

Stefan Siegert, Karrikaturist (Aus dem Gästebuch)

Dietrich Kittner, Klaus Peter Wolf, Kabarett „Alma Hoppe“, Stefan Siegert, Gerhard Holz-Baumert (Schriftsteller und Nationalpreisträger der DDR), Chris Jarrett, Hans-Peter Minetti, Bernd Haake Bluesband, Valentina Tereschkowa (erste Frau im All).

Laut Übergabeprotokoll endete Horsts „Amtszeit“ am 29.6.1991. Andreas Jendrzejewski war fortan der neue Chef.

Eine Antwort auf Von 1981 bis 1991 war Horst Unger der Wirt im Beppo

  1. Norbert Schiemann sagt:

    Genau so war das alles! Ich war gestern Abend mal wieder bei Beppo zu Gast,- nach über drei Jahrzehnten, ich habe nachgerechnet und es ist wohl 33 Jahre her als ich das letzte Mal in der Kneipe war. Ich tauche sozusagen gerade aus der Verschollenheit auf und besuche die Orte meines früheren Lebens. Auf Spurensuche in der Vergangenheit, na ja,- so sass ich dort, und lies alles auf mich wirken. Ich kenne noch Beppo, als aktiven Wirt und auch Horst, bei dem ich damals im Untergeschoss wohnte und die eine oder andere Nacht in der Kneipe verbracht habe.Viel verändert hat sich nicht, ich als Raucher finde es gut, das in Teilen der Kneipe noch immer geraucht werden darf, leider ist die Zeit der Automaten vorbei, früher stand am Eingang eine Jukebox mit ausgezeichneter Bestückung (spitze, es hat was, sich selber die Musik die spielt aussuchen zu können und dafür zu bezahlen) und ganz hinten am Tresen ein Flipperautomat an dem ich noch nach Feierabend, mit Horst, das eine oder andere Match ausgetragen habe. Die Toiletten sind nicht mehr hinter der Tür wie damals,- aber sonst? Die Zeit scheint stillgestanden zu haben an diesem Ort der Subkultur, immer noch die geilste Kneipe in OL, das bestgezapfte Bier, schön das sich solche Orte erhalten haben und man nach über 30 Jahren da reinkommt,- und es ist wie damals! Schön wäre gewesen wenn ich auf Leute getroffen wäre, die ich von damals gekannt hätte, -vieleicht beim nächsten Mal? Ich komme auf jeden Fall wieder!! Und noch was zum Schluss: Die weibliche Thekenkraft und Bedienung mit den längeren schwarzen Haaren,- sehr charmant und ganz und gar bezaubernd.
    Gruß von Norbert